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PSV ehrt Para-Biathletin Clara Klug,

zweifache Bronze-Medaillen-Gewinnerin von Pyeongchang

PSV-Präsident Biedermann hatte geladen und alle waren gekommen: Prominenz aus Lokal-Politik und Sport, Vertreter von Verbänden und Sponsoren. Geehrt wurde Clara Klug, die erfolgreiche Para-Biathletin des PSV. Jeder wollte der 24jährigen blinden Sportlerin gratulieren. Zur Feier des Tages hatte sie sogar ihre beiden Bronze-Medaillen aus Pyeongchang mitgebracht - eine Medaillengewinnerin samt Trophäen zum Anfassen.

Clara Klug dankte dem PSV für die langjährige Unterstützung. „Ich war acht, als ich das erste Mal hierher zum Training kam“, sagt sie. „Da hinterfragt man noch nicht so viel. Aber irgendwann bekommt man mit, was für eine Organisation dahinter steht. Hier wurde mir das Schießtraining ermöglicht, das ist schon etwas Besonderes für einen Sportverein, der überwiegend Sommer-Sportarten beherbergt.“ Hier auf der Tartan-Bahn hat sie ihre ersten Stadionrunden absolviert, mit ihrer Trainerin und Förderin Anne Heinzl. Sie war es auch, die das Talent der kleinen Clara entdeckte.

Ihre Vereinskollegin und quasi Vorgängerin als erfolgreiche Para-Olympionikin im Biathlon-Sport, Verena Bentele war auch gekommen. Auch sie ist im PSV groß geworden und war Schützling von Anne Heinzl.

 „Ich war in Pyeongchang an der Strecke dabei und habe so den Wettbewerb einmal aus einer ganz anderen Perspektive erlebt“, erzählt die vielfache Paralympics-Siegerin und Weltmeisterin.  „Ich habe jedes Mal fast einen Herzinfarkt bekommen, wenn die anderen geschossen haben. Aber Clara macht das sensationell gut. Das habe ich damals nicht gekonnt, dafür musste ich dann schneller laufen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Verena Bentele würdigt auch die Unterstützer von Clara, allen voran ihre Mama, die immer für sie da ist und als Vize-Mama Anne Heinzl, die alles trägt, und natürlich ihren Begleitläufer Martin Härtel. „Es ist toll, wie du unseren Erfolg im Biathlon-Sport fortführst und ich wünsche dir weiter alles Gute. Sport ist eine so große Bereicherung im Leben. Es ist eine tolle Leistung, wie du dein Studium und den Sport nebeneinander meisterst. Bleib, wie du bist, dann können die nächsten Wettbewerbe kommen.“

Neben dem intensiven Training zur WM-Vorbereitung hat Clara Klug hat in den nächsten Wochen für ihr Bachelor-Studium der Computer-Linguistik drei Abschluss-Prüfungen zu absolvieren - und das mitten in der Saison, ein enormes Pensum.

„Clara schafft das“, ist sich ihre Mutter Ulrike Klug sicher.  „Sie ist ein sehr disziplinierter Mensch. Wenn sie etwas will, dann zieht sie das durch.“ Das sei schon am Anfang so gewesen, als sie im zarten Alter von acht Jahren angefangen hat, im PSV zu trainieren. „Ich war berufstätig und konnte sie nicht zum Training fahren“, erzählt die Mutter. „Also musste Clara das allein bewältigen – mit Bus und Straßenbahn. Das haben andere Eltern ihren gleichaltrigen Kindern ohne Sehbehinderung nicht zugetraut.“

Natürlich habe sie auch gewusst, dass ihre Tochter bei Anne Heinzl in den besten Händen ist.

Anne Heinzl, die inzwischen pensionierte Entdeckerin und Trainerin von Verena und Clara und lange Jahre das Herz der Abteilung Behindertensport beim PSV. Sie erinnert sich noch ganz genau an die Anfänge im Jahr 2004, da hat Clara das erste Mal geschossen – mit zehn. „Damals hatten wir tolle Unterstützung der Bundeswehr, die Sportgruppe Freyung hat uns einen ganzen Laster voller Ski und Gewehre hingestellt und Begleitläufer mitgeschickt, die sich um die Kinder gekümmert haben. Dann haben wir es einfach probiert. Und es hat geklappt.“

Bereits ein knappes Jahr später nahm Clara im Skilanglauf an den deutschen Meisterschaften teil. Mittlerweile hat sie einige Medaillen gesammelt:

Zweimal war sie deutsche Meisterin, sowohl im Biathlon als auch im Langlauf, es folgten zweimal Silber und einmal Bronze bei der WM in Finsterau 2017,  vergangenes Jahr die zwei Bronzemedaillen von Pyeongchang sowie diverse Top-Platzierungen im Weltcup.

Bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Prince George in Kanada vom 14. bis 24. Februar will Clara Klug gerne wieder aufs Treppchen, genauso wie beim Weltcup vom 13. bis 17. März im japanischen Sapporo. „Wer einmal Medaillen bei einem internationalen Großereignis errungen hat, möchte diesen Erfolg wiederholen und vielleicht sogar noch toppen“, so  ihr Begleitläufer Martin Härtel. „Gold wäre auch eine schöne Farbe. Dafür arbeiten wir.“

Text: Daniela Fürst